Haut und Lack als Ueberflaechen
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Die Omnipräsenz des Bild-Schirms markiert
nur einen Umschlagpunkt in der sozialen Verbreitung und Wirkung des technisch
erzeugten Bildes: die Idee der Ueberflaeche und die kollektive Erfahrung ihrer
Existenz. Der vom Bild-Schirm erzeugte Wahrnehmungssog führt dazu, dass im
Alltag immer mehr Oberflächen in der Wahrnehmung in Ueberflaechen verwandelt
werden.
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Eplizite Ueberflaeche menschliche
Beziehungen ist das Gesicht (hier besser: das Antlitz, weil ,Gesicht' gleichzeitig
den aktiven Sinn benennt, der hier nicht gemeint ist). Implizite Ueberflaeche
ist hingegen, zumindest in der Moderne, die (Haut-)Oberfläche des weiblichen
Körpers.
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Die menschliche Körperoberfläche (Gesicht,
Haut allgemein) ist ueberflaechig, weil alle sozial-kommunikativen
Bedeutungen in ihnen, nicht unter oder hinter ihnen liegen. Als Ueberflaechen
erscheinen sie also, weil wir uns unter/hinter ihnen nichts vorstellen können
oder nichts vorstellen wollen - etwa weil die Vorstellung unerträglich wäre.
Gesicht und Haut sind Projekts- und Spiegelfläche mit beliebigen Bedeutungen,
die der Blick des Anderen ihnen zuweist. Dies macht sie ueberflaechig.
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Schwarze Lackoberflächen sind Ausdruck des menschlichen Wunsches, sich mit Ueberflaechen zu umgeben. Die Lackoberfläche ist dabei nicht wirklich Ueberflaeche sondern nur deren wunschtraumhafter Reflex, der Schatten der Ueberflaeche. Aufgrund ihrer semi-reflektierenden Qualität liefern sie dem Betrachter die Andeutung des Bildes, richtiger die An-Deutung des Ab-Bildes. Dies gilt für Möbel und Gebrauchsgegenständen, insbesondere aber für Lackkleidung. Lack auf Haut erzeugt eine Paradoxie: Unter der Ueberflaeche liegt eine zweite Ueberflaeche, die sich als solche aber nur um den Preis der Zerstörung der ersten zu konstituieren vermag. Der Lack steht deshalb auch für den Traum vom Bild im Bild, die Idee vom Symbol hinter dem Symbol.
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(Michael Schetsche)